Ein Auge zum Anfassen, ein Hotel als Schulbank

Geschäftsführer des Blinden-und-Sehbehinderten-Verband Brandenburg e.V., Joachim Haar, Heike Woucznack, begehbares Auge
Das begehbare Auge mit Heike Woucznack und Joachim Haar © BSVB

Gastbeitrag: Der Blinden-und-Sehbehinderten-Verband Brandenburg e.V. (BSVB) hatte am 10. Oktober 2014 zum 14. Wissenschaftlichen Symposium in das Hotel "Raddisson Blue" nach Cottbus eingeladen. Mehr als 150 ehrenamtliche Mitarbeiter des Verbandes, Vertreter von Einrichtungen und Behörden waren aus dem ganzen Land Brandenburg nach Cottbus gekommen.

 

Eine besondere Attraktion stand in der Hotelhalle. Ein begehbares Auge. Dazu gab es eine sachkundige Führung. Heike Woucznack, Augenoptikermeisterin aus Spremberg führte die Hände der blinden Menschen, die das Auge betrachteten.

 

In der ersten Etage hatten weitere Firmen Lupen, Kantenfilterbrillengläser, vergrößernde und sprechende Lesegeräte ausgestellt. Martin Jödicke von der Firma A. Schweizer GmbH, Markus Köhler von Optelec GmbH, Henry Bockenkamm und Jörg Beierling von der Firma Reinecker Vision GmbH trafen ihre Kunden und viele Menschen, die erstmals mit den Produkten Bekanntschaft machten. Blaue Luftballons, die zur Decke schwebten, wiesen darauf hin, dass es sich um eine Aktivität im Rahmen der Woche des Sehens handelt. Die Zeitungen "Lausitzer Rundschau" und "Der Märkische Bote", Antenne Brandenburg, Radio Cottbus und Lausitz TV hatten schon Tage zuvor auf dieses Ereignis aufmerksam gemacht.

 

Nachdem Bodo Rinas, Vorsitzender des BSVB, die Teilnehmer begrüßt hatte, konnte Joachim Haar, Geschäftsführer mitteilen, dass die neue Landesregierung im Koalitionsvertrag plant, das Landespflegegeld zu erhöhen. Das Land Brandenburg hält nämlich in Deutschland die rote Laterne. Diese Meldung wurde mit viel Beifall begrüsst!

 

Die Themen des 14. Wissenschaftlichen Symposiums rankten sich um den Begriff "Inklusive Bildung, Studium und Arbeit. Karsten Hohler, Geschäftsführer des "Sächsischen Förderzentrums für Blinde und Sehbehinderte" in Chemnitz berichtete darüber, wie sich in den zurückliegenden Jahren die Inhalte und die Bedingungen der beruflichen Rehabilitation verändert haben. Nach wie vor ist die Situation kompliziert. Es ist dennoch gelungen, für blinde und sehbehinderte Schulabsolventen neue Arbeitsmöglichkeiten zu erschließen. Dagegen sind alte, bekannte Berufe, wie der des Klavierstimmers, weggebrochen. Kerstin Kölzner, Geschäftsführerin des Berufsförderungswerkes für Blinde und Sehbehinderte in Halle schilderte, welcher Anstrengungen es bedarf, um spät erblindete Menschen umzuschulen und wieder in Arbeit zu bringen. Sie bedankt sich beim Integrationsfachdienst für die gute Zusammenarbeit. Leider gibt es so etwas in anderen Bundesländern nicht. In einem Rundtischgespräch schilderte Antje Samoray aus Potsdam, sie hat als Blinde Germanistik studiert, welcher Mühen es bedurfte, um Hilfsmittel für das Studium zu erhalten. Die Sozialämter wissen nicht, das sie für diese Finanzierung zuständig sind. Zunächst werden alle Anträge abgelehnt. Ohne die Hilfe Vieler, auch des IFD beim BSVB, hätte Sie das Studium nicht erfolgreich abschließen können. Anja Brettschneider, Integrationsfachdienst für blinde und sehbehinderte Menschen im Berufsleben im Land Brandenburg, Sie ist im Auftrag des Integrationsamtes tätig, schilderte, was von einem blinden bzw. sehbehinderten Studenten erwartet wird. Wie er sich auf das Studium vorbereiten sollte und welche Hilfen er in Anspruch nehmen kann. Sie zitiert aus einem Leitfaden der Humboldtuniversität Berlin für Studenten mit Behinderungen. Eine Universität ist verpflichtet, durch bestimmte Maßnahmen Studenten mit Behinderungen zu unterstützen. Entscheidend ist eine gründliche Studienberatung und Vorbereitung. In diesem Zusammenhang wurde deutlich, dass die Kenntnis der Brailleschrift für blinde Menschen eine wichtige Voraussetzung ist, um ein Studium erfolgreich abzuschließen.

 

Seit 13 Jahren ist der Vortrag der Augenärztin Dr. Heike Petersen aus dem "Augenzentrum Frauenfeld" in der Schweiz einer der Höhepunkt des Symposiums. Diesmal referierte sie über das komplizierte Thema "Prävention und Therapie bei genetisch bedingten Augenerkrankungen". Schnell wurde deutlich, dass es eine Therapie dafür nicht gibt. Viele Zuhörer konnten aus ihren eigenen Erfahrungen berichten. Den Abschluss des Tages bildeten 2 Arbeitsgruppen. Anja Brettschneider und Tobias Straub, Mitarbeiter der Leitstelle für Bürokratieabbau im Ministerium des Inneren, diskutierten mit den Teilnehmern, Möglichkeiten der Vermeidung von Bürokratie am Arbeitsplatz. Michael Wendel, Steuerberater des BSVB und Joachim Haar trugen mit den Anwesenden Argumente zusammen, warum es im Land Brandenburg auch weiterhin einen starken selbständigen Landesverband der Blindenselbsthilfe geben soll. Alle waren sich darin einig, das die von der Landesregierung geplante Kreisreform nicht spurlos am BSVB vorüber gehen wird. 

 

Seit dem Jahr 2000 ist das wissenschaftliche Symposium des BSVB ein Höhepunkt der Arbeit des Verbandes. Es ist ein Angebot zur Weiterbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiter und der zahlreichen Gäste. Möglich wird diese Veranstaltung nur durch die finanzielle Unterstützung der Krankenkassen. Das Hotel "Raddisson Blue" bietet dem BSVB seit 2011 ideale und beste Voraussetzungen für diese und andere Veranstaltungen. Sehr gute Versorgung durch die Küche, freundliches Servicepersonal und ein aufgeschlossenes Management der Hotelleitung sind erfreulich. Ein Blindenleitsystem, sprechende Fahrstühle, andere akustische Informationen oder eine Speisekarte in Blindenschrift wären starke Signale dafür, dass auch in Zukunft blinde und sehbehinderte Gäste sowie deren Interessenvertretung im Hotel willkommen sind.

 

Informationen zur Arbeit des BSVB finden Sie unter: bsvb.de

 

Joachim Haar

Geschäftsführer des Blinden-und-Sehbehinderten-Verband Brandenburg e.V.        

Adresse von der Augenoptik Lange Straße Meisterbetrieb Heike Woucznack in Spremberg

Augenoptik Lange Straße

Meisterbetrieb Heike Woucznack

Lange Straße 27

03130 Spremberg

Montag bis Freitag

09.00 bis 18.00 Uhr

Sonnabend

10.00 bis 12.00 Uhr 

 Telefon

  03563 2106